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20.6. | Bachelorkonzert | Clara Weise | Mandoline

Clara ist vieles: Die aufstrebende Musikerin, die das Instrument spielt, dass du nicht kennst. Die Hutmacherin, die ihren Arbeitsplatz zum Lebensort gemacht hat. Die, die vor 4 Jahren ein Orchester voller ambitionierter junger Künstler*innen mitbegründet hat.

Die gebürtige Dresdnerin trieb es 2018 aufgrund ihres Studiums der Mandoline an der Wuppertaler Musikhochschule in die Talstadt. Seit dem pendelt sie durch Deutschland und probiert sich und ihre acht Saiten in verschiedensten musikalischen Konstellationen aus – zwischen Don Giovanni Inszenierungen in der Semperoper und Auftritten im Altersheim um die Ecke. Wenn Clara ihre Mandoline zückt, dann nimmt sie dich mit auf die etwas andere Reise. Weg von spießigen Klassikkonzerten und rosaroter Singer-Songwriter-Attitüde. Besonnen auf das Essenzielle mit Hauch von Sehnsucht und Zufriedenheit im Nirgendwo. Nachdem sie bereits 2019 die ehemalige Schalterhalle des historischen Bahnhof Mirke bespielte, kehrt sie nun zurück für ihr Bachelorkonzert. Zwischen den 140 Jahre alten Mauern wird sie ausgewählte Stücke neu interpretieren und ihnen eine persönliche Note verleihen. Mal aufregend, mal ganz innig – immer etwas anders.

Begleitung durch:
Sophie Schlaubitz (Gitarre), Lukas Katter (Klavier)

Wann und Wo?
Am Montag, den 20. Juni 2022, um 19:30 Uhr
im Wartesaal 3. Klasse | Utopiastadt | Mirker Str. 48, 42105 Wuppertal

Der Eintritt ist frei.

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Die Utopiastadt-Fibel ist da!

Also zumindest im Druck. Bis sie in wenigen Tagen tatsächlich als gedrucktes Buch vorliegt, habt Ihr die Gelegenheit, früh zuzugreifen:

Early Bird: 28,– €

Komm zum Utopiastadt Info & Shop-Container auf dem Bahnsteig und sichere Dein Early Bird-Exemplar!
Der Shop öffnet an diesem Wochenende und nächste Woche von Mittwoch (22.6.) bis Sonntag (26.6.).

Regulär ab 27.6.: 38,– €

Weit mehr als 200 Begriffe rund um das Phänomen Utopiastadt, erklärt von und mit Lust, Engagement und viel Beharrlichkeit. Etwa 80 Utopist:innen, Freunde und Förder:innen haben gesammelt, geschrieben und fotografiert. Eine Fibel mit Einblicken, Ausblicken, Erklärungen und dem ein oder anderen Augenzwinkern.
Wir wünschen euch und uns viel Vergnügen beim Schmökern und weiter erzählen!
Und danken vor allem den vielen Wegbegleiter:innen in den letzten gut 10 Jahren und explizit den Fibelist:innen, die über Jahre dazu beigetragen haben, dass dieses Buch entstehen konnte.

DANKE!

HELLELFENBEIN
[Eine Farbe aus dem normierten RAL System mit der Nummer RAL 1015]
[…] Zwar hat sich die Boden-Leisten-Schalung auf der Baustelle fälschlicherweise als »Stülpschalung« etabliert, jedoch rückt das weit in den Hintergrund, wenn … [—> mehr im Innenteil]

BETTER LIFE INDEX
[Kurz: BLI. Macht die Laune messbar.]
Der Better Life Index ist ein Indikatorensystem zur Messung des »Guten Lebens«. Der BLI umfasst – zum Beispiel im Gegensatz zum Bruttosozialprodukt – nicht nur die Wirtschaftsleistung, sondern auch Qualitäten wie politische Mitsprache, eine intakte Umwelt und Gesundheit. [… —> mehr im Innenteil]

PRAKTIKUM
[Zeitlich begrenzte, häufig unentgeltliche Tätigkeit, bei der man mögliche Arbeitgeber:innen kennen lernt und/oder neue Erfahrungen sammeln kann.]
[…] Deinen Blick und Deinen Kick, wenn Du ehrlich auf die Projekte schaust und vielleicht erkennst, wo noch was fehlt oder sich Dein Herz regt und das, was nicht fehlt, von Dir schöner gemacht wird.
[… —> mehr im Innenteil]

THE UTOPIASTADT PRIMER
More than 200 terms around the phenomenon Utopiastadt, explained by and with desire, commitment and much perseverance. About 80 utopians, friends and supporters have collected, written and photographed. The result is a primer with many insights, explanations and a wink or two. We hope you and we enjoy reading and telling your stories.
We would like to thank our many companions over the last 10 years and explicitly the primeristas who have contributed over the years to the creation of this book.

THANK YOU!

LIGHT IVORY
[A color from the standardized RAL system with the number RAL 1015].
[…] Although the floor batten formwork has mistakenly become known as »inverted formwork« on the job site, this fades far into the background when you see … [—> read more inside]

BETTER LIFE INDEX
[Abbr.: BLI. Makes mood measurable.]
The Better Life Index is an indicator system for measuring »the good life«. In contrast to the gross national product, for example, the BLI includes not only economic performance, but also qualities such as political participation, an intact environment and health.
[… —> read more inside]

WORK EXPERIENCE
[Temporary, often unpaid activity, during which possible employers can get to known and/or gain new experience.]
[…] your eyes and your kick, your honest look on the projects and perhaps your recognition where something is missing, or where your heart is stirring and not-missing stuff is made more beautiful by you. [… —> read more inside]

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Architektur und Algen

Ausstellungen in der Hebebühne und im Wartesaal 3. Klasse im Rahmen des SDE

»Layers of Time« von Hacer Bozkurt

Hacer Bozkurt begleitet als Fotografin das deutsch-türkische Team Deeply High auf dem SDE 21/22. In ihrer Ausstellung Layers of Time zeigt sie Innen- und Aussenaufnahmen von historischen, türkischen Holzhäusern in Makrevis im Osten der Türkei nahe der Schwarzmeerküste. Die Aufnahmen von Göbeklitepe, einer prähistorische Fundstätte in Südostanatolien, die zum Unesco Weltkultureben gehört, wird überspannt von einem futuristischen Bau, der an ein Raumschiff erinnert, dass in der kargen Landschaft gelandet ist. Das deutsche Architekturbüro kleyer.koblitz.letzel.freivogel Gesellschaft von Architekten mbH wurde dafür mit dem Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues 2019.
Hacer Bozkurt zeigt zeigt in Layers of Time parallel zum SDE 21/22 Architektur aus prähistorischen Zeiten bis heute.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Hutmachers geöffnet.

»Algae« von Jan Göller und Tim Löhne

In der Hebebühne läuft die Ausstellung »Algae«, ebenfalls initiiert von SDE-Teilnehmer Team Deeply High. In ihrem Modellhaus werden Algen zur Wasserreinigung und Sauerstoff-Gewinnung genutzt.
In der Algae-Exhibition verbinden sich nachhaltiger Einsatz in zukunftsorientierten Technologien mit einer sinnlich, ästhetischen Wahrnehmung.
Mit Fotografien von Jan Göller und einer Soundcollage von Tim Löhne.

Öffnungszeiten:
11./12.6., 16-19.6. jeweils von 15-18 Uhr

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Führungen durch Utopiastadt

Wie sieht eigentlich der Wartesaal 1. Klasse gerade aus? Womit hat damals alles angefangen? Was bedeutet Euch Gemeinwohl? Wie funktioniert Utopiastadt als Lernort? Wo ist die Gemeinschaftswerkstatt? Und wie zum Teufel konntet Ihr so viel Fläche für experimentelle Stadtentwicklung sichern?

Wir beantworten jeder Zeit gerne die vielen, vielen Fragen, die uns tagtäglich zu Utopiastadt gestellt werden. Nun haben wir den SDE zum Anlass genommen, das umzusetzen, was wir schon lange vor hatten – öffentliche Führungen durch Utopiastadt!

Immer mit grundsätzlichen Informationen zum Gesamtprojekt und jeweils mit Blick auf spannende Teilaspekte:

Fr. 24.06., 18:00 Uhr

Matthias Wanner: »Quartiersentwicklung und Ortsidentität: der Einfluss von Utopiastadt auf die Schaffung des Mirker Quartiers«

Infos und Tickets unter https://www.wuppertal-live.de/?421460

Die Plätze sind begrenzt, der Ertrag kommt der Gemeinwohlarbeit zugute.

Sa. 25.06., 14:30 Uhr

Franziska Schmidt und David J. Becher: »Das Geheimnis hinter der schwarzen Gaze – Baustellenführung zur Sanierung des Bahnhofsgebäudes.«

Infos und Tickets unter https://www.wuppertal-live.de/?421265

Die Plätze sind begrenzt, der Ertrag kommt der Gemeinwohlarbeit zugute.

So. 26.06., 12:30 Uhr

Amanda Steinborn und Charlotte Ridder: »Wieder was gelernt – Utopiastadt als Bildungsort von Vielen für Viele.«

Infos und Tickets unter https://www.wuppertal-live.de/?420970

Die Plätze sind begrenzt, der Ertrag kommt der Gemeinwohlarbeit zugute.

Vergangene Führungen:

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Vortrag: Gemeinwohlstipendium bei Public Positions

Mittwoch, 15.6.2022, 18:00 Uhr

Swane Design Café, Luisenstr. 102a, Wuppertal-Elberfeld

Im Rahmen der Vortragsreihe »Public Positions«, die der Studiengang Public Interest Design der Bergischen Universität Wuppertal seit mehreren Jahren organisiert, stellen Lana Horsthemke und Charlotte Ridder das Gemeinwohl-Stipendium vor und gehen dabei auch etwas tiefer auf grundlegende Problematiken in der Fördermittelvergabe ein, mit denen gemeinwohlorientierte Initiativen sich konfrontiert sehen. Im Anschluss an den Vortrag besteht Raum für Diskussion und Gespräche. 

Public Positions ist eine offene Vortragsreihe, die die Themen des Masterstudienganges um die Expertise externer Referentinnen und Referenten ergänzt und in Dialog zueinander setzt. Der Dialog findet dabei sowohl zwischen geladenen Vortragenden als auch zwischen Vortragenden und Wuppertaler Stadtraum statt.

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Logbuch

Gedenkort Seebrücke: nur fünf Tage unbehelligt

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von Renate Schatz:

Logbucheintrag 0.30

Am 21. Mai wurde der Gedenkort der Seebrücke Wuppertal eingeweiht. Es war ein Fest mit internationaler Musik, mit Glückwünschen und Dankesreden. Dann passierte es schon fünf Tage später: der Gedenkort wurde demoliert und mit Hassbotschaften verkratzt. Auf der Info-Tafel kann man die Abkürzung NSU für »nationalsozialistischer Untergrund« erkennen.

Wir von der Seebrücke waren innerlich darauf vorbereitet, dass Vandalismus an unserem neuen Denkmal nicht vorbei gehen würde. Ein Schock war es dennoch. Keine fünf Tage, dass dieser schöne Ort vor dem Mirker Bahnhof beschädigt wird. Drei Jahre hat es seit der Entwicklung der Idee gedauert, einem Erinnerungsort für alle Menschen, die auf der Flucht nach Europa ums Leben kamen, eine Gestalt zu geben. Viele haben daran mitgewirkt. Es wurden Kooperationspartner gefunden, Künstler*innen, Handwerker*innen. Sponsoren, Stiftungen, die Stadt Wuppertal, Firmen, Institutionen und Privatpersonen haben unsere Pläne unterstützt, finanziert und durchgeführt.

Im Vorfeld des Projekts hatten wir einige Hürden zu meistern: Der Lockdown hat uns eine einjährige Verzögerung gekostet und wir mussten die Preissteigerungen der Materialkosten kompensieren. Weil so viele engagierte Dienstleister für geringere Kosten oder sogar pro Bono gearbeitet haben und viele Menschen und Organisationen uns ideell und finanziell unterstützt haben, konnte das Boot mit der Gedenkstele und der Bepflanzung schließlich eröffnet werden.

Wir, die Seebrücke Wuppertal, werden weiter für ein offenes Europa eintreten, für das Recht auf Flucht und das Recht auf Ankommen und Asyl. Wir werden uns nicht von Menschen abschrecken lassen, die unsere politischen Forderungen, unsere humanitäre Haltung und Solidarität mit allen Geflüchteten, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder geschlechtlicher Orientierung, nicht teilen und auf zerstörerische Weise bekämpfen. Wir erklären uns auch solidarisch mit Flüchtenden und Flüchtlingshelfer*innen, die kriminalisiert werden. Gerade läuft der Prozess gegen die einen Teil der Crew des Seenotrettungsschiffs Juventa in Italien. Es drohen 20 Jahre Haft für jede Person, die gerettet wurde und hohe Geldstrafen. Eine perfide und wahrhaft inhumane Auffassung der Anklage. Dagegen müssen wir protestieren.

Wir haben viel Unterstützung bei der Umsetzung unseres Gedenkortes erfahren. Und jetzt bleiben immer wieder Menschen stehen, schauen auf die Infotafel, betrachten das gekenterte Boot im blau blühenden Feld. Wir bitten Sie, liebe Anwohner*innen und Passant*innen im Umkreis des Gedenkorts, halten Sie die Augen offen und zeigen Sie ihre Solidarität. Damit setzen Sie ein Zeichen der Hoffnung, der Humanität, für Integration und Demokratie und für ein gelingendes Zusammenleben aller.


Erstveröffentlicht am 02.06.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/gedenkort-seebruecke-wuppertal-nur-fuenf-tage-unbehelligt_aid-70699511

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Logbuch

Urlaub auf dem Bahnhofsklo

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von Nina Bramkamp:

Logbucheintrag 0.29

Als Utopist*in denkt man möglicherweise, dass es nur einen Bahnhof geben kann. In Belgien wurde ich von diesem tiefen Glauben bekehrt, als ich Urlaub in wallonischen Bahnhofstoiletten machte. Nach der Stilllegung des Bahnhofs im Jahr 1989 wurde das Hauptgebäude in Wohnraum umgewandelt. Aus dem Toilettenhäuschen entstand Dank der phantasievollen Sanierung ein wundervolles Cottage.

Der Bahnhof dieses kleinen Ortes wurde 1863 erbaut und war ein florierender Ort des Reisens und Tor zur großen weiten Welt (in diesem Falle ohne Umsteigen bis nach Namur). Toiletten waren dabei schon immer ein besonderer Ort für Begegnungen.

Am Montag, den 12. Mai 1884 stand Léo auf Gleis 3 des wallonischen Bahnhofs und wartete auf die Ankunft des 12 Uhr Zuges nach Namur. Sein Magen knurrte. Dass die Bäckereien montags geschlossen haben, wurde ihm erst nach dem Aufstehen wieder bewusst. Er schaute sich hungrig auf dem Bahnhof um. Ein dreibeiniger Hund streunte zwischen den Gleisen umher, auf Gleis 1 erblickte er eine Frau mit einem Korb Hühner. Ein paar Orte weiter war Wochenmarkt, auf dem die Wallikiki als Suppenhühner verkauft werden sollten. Während des Wartens ereilte die Dame die Notdurft und sie ging eilend zu den Bahnhofstoiletten. Die Kabinen waren zu klein, so dass sie die Wallikiki unter dem Waschbecken stehen lassen musste. Léo begab sich ebenfalls zu den Toiletten, verpasste aber den Eingang für Messieurs und fand sich im WC Dames wieder. Die Hühner sahen ihn und entrüsteten sich lautstark, während sie erschrocken aus ihrem Korb sprangen. Léo vermutete unten im Korb Eier. Er griff zu einem Bündel im Korb und rannte aus der Toilette. Die walllonischen Hühner nahmen die Verfolgung auf. Madame kam nicht von der Stelle und musste die Flucht wild schimpfend hinnehmen. Alarmiert von dem Geschrei hüpfte der auf der Bahnhofsdeponie wohnende dreibeinige Hund aus seinem Salatbett und rannte kläffend in Richtung des Lärms. Er sah einen rennenden Mann, der gehetzt die Worte »oh je ne regrette rien« sang, gefolgt von wütend gackernden Walliki, die das Gleis 1 entlang jagten. Der Trieb des Tieres sprang an, allein schon wegen der appetitlichen Hühner. Er nahm bellend die Jagd auf und konnte schnell aufholen, während der Zug nach Namur auf Gleis 3 eindampfte und sich bereits an die Weiterfahrt machte. Der Mann, die Hühner, der Hund und das Geschrei von Madame flogen im gestreckten Galopp über das Gleisbett und sprangen in den Waggon. Während der Zug sich in Gang setzte, hatten sie das erste Mal die Gelegenheit, sich zu beschnuppern. Nicht nur Léo hatte Hunger und Essen vereint Mensch und Tier. So öffnete er den Proviantbeutel aus dem Hühnerkorb, der deponische Hund konnte ein paar Salatblätter und ein viertel Croissant, welches er noch in seinem Fell trug, beisteuern. Die Hühner legten zum Auftakt der Freundschaft jede ein Ei. 

Solche und andere utopische Geschichten werden sich auch am Mirker Bahnhof ereignet haben. Utopia is halt everywhere.


Erstveröffentlicht am 19.05.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/neues-aus-der-utopiastadt-urlaub-auf-dem-bahnhofsklo_aid-69957533

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Tag der Städtebauförderung am Samstag, 14.5.

Baue eine Stadt, baue Utopiastadt. Dies stand viele Jahre unter fast allen Nachrichten, die wir verschickt haben. Und es hat bis heute seine Gültigkeit. Da passt es, dass am Samstag, den 14.5., am Tag der Städtebauförderung, die sanierte Vorplatz-Treppe, also der prominenteste Zugang zum Utopiastadt-Campus, offiziell eingeweiht wird. Das Programm dazu listen wir Euch unten auf.

Denn neben den Festivitäten zu der Eröffnung gibt es selbstverständlich ab 11:00 Uhr den Regelmäßigen Sanierungs-Workout am Hauptgebäude und in der GPA!
Infos: utopiastadt.eu/workout
Doku (insbesondere GPA): bahnhofssanierung.de

Nebenan in der Hebebüne ist zudem um 14 Uhr die Eröffnung der Ausstellung »Druckgrafik«, die man diesen Samstag einfach ansehen und bewundern kann, im Rahmen derer aber am nächsten Samstag auch selber in die Kunst der Druckgrafik einweihen lassen kann!
Infos: hebebuehne-ev.de

Ebenso gibt es eine Pflanzaktion für den Gedenkort der Seebrücke Wuppertal, der auf der frisch sanierten Fläche an der Vorplatz-Treppe entsteht.
Infos zum Gedenkort: seebrueckewtal.de/gedenkort

Diese Aktion ist aber auch Teil des offiziellen Programms und somit eine gute Überleitung zu den oben versprochenen Details zum

Programm zum Tag der Städtebauförderung:

10 bis 13 Uhr:  Brunch, Graffiti-Workshop mit der Künstlerin Laura Ludwig, Supa-Golf, Pflanz-Aktion

11 Uhr: Start drei Führungen:
– Mirker Quartier
– Utopiastadt-Baustelle Sanierung Bahnhofsgebäude
– Solar Decathlon

13 bis 13:30 Uhr: Einweihung und Begrüßung durch Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Beigeordneten Arno Minas mit Auftritt von Kindern und Jugendlichen der »Alten Feuerwache«

13:30 Uhr: Start drei Führungen:
– Mirker Quartier
– Utopiastadt-Baustelle Sanierung Bahnhofsgebäude
– Solar Decathlon

13.30 Uhr bis 16.30 Uhr: Steinmetz-Aktion an dauerhaft auf dem Vorplatz etablierten Stein-Bänken unter Anleitung des Steinbildhauermeister Gregor Rasch, Graffiti-Workshop, Supa-Golf, Mal-Aktion, Pflanz-Aktion

15 Uhr: Start drei Führungen:
– Mirker Quartier
– Utopiastadt-Baustelle Sanierung Bahnhofsgebäude
– Solar Decathlon

Wir freuen uns auf einen wunderbaren Frühlingstag auf dem Utopiastadt-Campus!

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Logbuch

Lebhafter Frühling in der Mirker Straße

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von David J. Becher:

Logbucheintrag 0.28

Als ich vor fast 16 Jahren in die Mirker Straße gezogen bin, blickte ich von meinem Arbeitszimmer auf eine Tankstellenbrache, eine Bahnhofsbrache, dahinter verrotteten ein paar Gleise vor einer mindergenutzten Gewerbefläche. Abgerundet wurde diese manifestierte städtebauliche Ignoranz von der Autobahn. Dead end eines Wohngebietes.

Am 1. Mai 2022 schaue ich aus dem Fenster auf eine durch bunte Plastiktüten künstlerisch verhüllte Hebebühne, auf deren Nebenplatz die Mirker Schrauba ihr 9-Jähriges mit einem Jubiläums-Fahrradreparaturcafé feiern. Daneben erblüht ein frühlingshergerichteter Utopiastadtgarten, dann schweift mein Blick über die Bahnhofs- sowie die Vorplatz-Baustelle.Nächstes Wochenende gibt es hier einen Workshop zur fachgerechten Sanierung alter Holzfenster in Utopiastadt (Sa. 7.5., 12-15 Uhr, Anmeldung: fenstersanierung@utopiastadt.eu). Am Wochenende darauf den Tag der Städtebauförderung, bei dem der Vorplatz offiziell eingeweiht wird. Mit Baustellenführungen, Pflanzaktion für das Seebrücke-Denkmal, Graffiti, Supagolf und vielem mehr (Sa. 14.5., 10-16 Uhr).Wieder einen Samstag später wird dann offiziell das Denkmal eingeweiht, das die Seebrücke Wuppertal als Gedenkort für ertrunkene Geflüchtete auf dem Bahnhofsvorplatz installiert hat (Sa. 21.5.).In der Zwischenzeit werden die Teams anreisen, die im Juni beim Solar Decathlon Europe auf dem Utopiastadt-Campus im Zehnkampf des nachhaltigen Bauens gegeneinander antreten, und beginnen, ihre Gebäude aufzustellen.

Niemals hätte ich beim Einzug gedacht, hier mal mitten im Zentrum der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung zu leben. Und das Besondere: Es waren weder Stadtverwaltung noch Politik, es waren keine Stiftungen oder Institutionen, es waren keine Firmen oder Investor:innen, die diese Entwicklung initiiert haben. Es waren frei zusammengewürfelte kreative Menschen, die ihre Entwicklungsimpulse nicht immer nur in hübschen Zwischennutzungs-Projekten verbrennen, sondern dauerhaft zur Verbesserung des Miteinanders in der Stadt einsetzen wollten. Und viele davon sind mehr oder weniger direkte Nachbar:innen, so wie ich.

All diese Menschen haben im Laufe vieler Jahre gezeigt, dass stetes Bemühen um Teilhabe, auch an den großen Stadtentwicklungen, am besten Wirkung zeigt, wenn man immer und immer wieder zusammenarbeitet. Auch, wenn es oft sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt, was wann wie mit wem umgesetzt werden sollte.

Genau diese Auseinandersetzungen sind es, die verdeutlichen, dass Stadt nicht dann besonders gut ist, wenn nur eine Verwaltung oder ein Investor definieren, wie ein Ort zu sein hat. Sondern wenn die, die an diesem Ort leben, die, die ihn nutzen und die, die davon profitieren stets aufs Neue besprechen, wie es weiter gehen soll. Dann blüht in jedem Frühjahr erneut auf, was über die Jahre gesät, gehegt und gepflegt wird. Und je öfter ich das hier vor meiner Tür miterlebe, desto überzeugter bin ich: Gute Stadtentwicklung lebt nicht von schnellen Ergebnissen. Sie lebt vom Prozess.


Erstveröffentlicht am 05.05.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/wuppertal-logbucheintrag-aus-der-utopiastadt_aid-69087707

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Logbuch

Landschaftsgestaltung unter Pandemiebedingungen

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von Richard Joos:

Logbucheintrag 0.27

Über zwei Coronasommer grub ich mit einigen wackeren Mitstreitenden die Grünstreifen an der Auffahrt zur Nordbahntrasse am Mirker Bahnhof um. Statt Brombeerdschungel eine kleine Streuobstwiese, Bienenweide und Miniaturweinberg scheint per se eine gute Sache. Tatsächlich rettete es mich über die härteren Pandemiephasen, nach dem Homeoffice-Tag noch ein, zwei Stunden die Möglichkeit zu haben, an der frischen Luft ein Stück Stadt vor meiner Nase zu einem angenehmeren Ort zu machen.

Man erfuhr einiges: Gespräche mit Anwohnern entspannen sich über eine ausgegrabene und in der Folge weggestemmten Betonplatte. Gab es Flakstellungen um den Mirker Bahnhof während des Kriegs? (Es war wohl doch nur ein Bauschuppen mit schnell hingegossenem Fundament aus den Sechzigern.) Man wurde interessant wahrgenommen: warum ich hier Erde siebe, wenngleich auf der Fläche hinten Müll liege? Nun, weil ich in meiner Freizeit gern Dinge tue, auf die ich Lust habe, und gerade hab ich Lust aufs Erdesieben. Ich freue mich aber über jeden, der den Müll einsammelt, Samstag ist Workout. Erstaunlich oft wird von vorneherein ausgeschlossen, dass Menschen was einfach so machen, und nicht, weil es bezahlt wird.

Man bewirkte auch interessantes. Wenn man zwei Wochen jeden Abend schaufelt, trifft man Menschen wieder. Es ergaben sich erstaunliche Stimmungswechsel über die kurzen Gespräche: schleichende Übergänge vom skeptischen »Wer sich engagiert, wird ausgenutzt«, in der Regel begleitet von Geschichten über eigene schlechte Erfahrungen, hin zum gemeinsamen Freuen über den Fortschritt nach einer Woche. Kinder hingegen sind in der Regel interessiert bis begeistert, insbesondere, wenn man ein Nest Engerlinge oder spannenden Schrott ausgräbt.

Persönliche Folgen, neben besserem Schlaf und Bekämpfung der Corona-Bleischwere? Es ist unglaublich, wie man sich über Menschen freuen kann, die auf einer Trockenmauer sitzen und Eis essen, wenn man die Trockenmauer in der vorigen Woche fertig gebaut hat. Die erfreulichste Beschwerde der Welt: jemand habe die schönste Blumenwiese in Wuppertal abgemäht, ein Unding! (Es war nach dem letzten Blühen und schwer notwendig). Die zweite Apfelernte komplett geklaut: alles richtig gemacht.

Nun könnte man einmal mehr Worte darüber verlieren, wie wichtig Engagment und Ehrenamt in den Quartieren sei und sich selbstzufrieden auf die Schulter klopfen. Anders herum scheint es aber richtiger aufgezäumt: es ist eine unglaublich gute Sache, Menschen die Möglichkeit zu geben, ein Quartier mitzugestalten, schöner und lebenswerter zu machen. Ich hatte das Glück, eine solche Möglichkeit direkt vor der Nase zu haben. Denn letzten Endes spielt bei allem Engagement eine große Portion Egoismus eine maßgebliche Rolle: Ohne zwei Sommer Umgraben und Trockenmauern hätte ich mit einiger Sicherheit einen sehr handfesten Coronakoller bekommen. Mit solchen Orten vor der Nase kann man sogar aus einer Pandemie was schönes machen.


Erstveröffentlicht am 21.04.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/stadtteile/elberfeld/landschaftsgestaltung-unter-pandemiebedingungen_aid-68264107