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Fenstersanierungsworkshops: DENKMAL drüber nach!

Utopien erfordern die Aufarbeitung der Vergangenheit. In unserem Sinne heißt das zuallererst: Die Sanierung der 100 historischen Fenster in Utopiastadt ist ehrenamtliche Handarbeit.

Als der Bahnhof Mirke vor über 140 Jahren eröffnet wurde, war wohl kaum vorstellbar, dass hier zukünftig Utopiastadt ein Zuhause finden würde. Wir wollen das Erbe dieses Ortes im Rahmen unserer Möglichkeiten lebendig halten und dem Gebäude neues Leben einhauchen. Seitdem klettern wir auf Gerüsten herum, schleifen und säubern, spachteln und lackieren wir Fenster für Fenster – Woche für Woche in ehrenamtlicher Handarbeit. Jetzt brauchen wir aber deine Unterstützung, denn das geplante Ende der Sanierung rückt immer näher.

Wir teilen unser kostbares Wissen mit dir und laden dich ein, Teil der Fenstersanierungstruppe in Utopiastadt zu werden. In monatlich stattfindenden Workshops werden wir dich Schritt für Schritt an die einzelnen Arbeitsschritte heranführen, sie gemeinsam mit dir umsetzen und so hoffentlich eine Menge weiterer Fenster sanieren. Denn denkmalgerechte Sanierung ist zwar historisch gesehen eine Sisyphosarbeit, aber keineswegs ein Hexenwerk. Die nächste Fenstersanierung überlassen wir dann Utopist*innen der nachfolgenden Generationen.

Du fragst dich, warum du mitmachen solltest?
Gemeinsam erschaffen wir in lehrreicher und geselliger Atmosphäre einen Ort für die Entwicklung von Utopien. In einem Jahr können wir dann stolz vor einen der wohl schönsten historischen, vor allem aber fertig sanierten Bahnhofsgebäude des Tals stehen. Das ist nicht nur gut fürs Ego, sondern auch für die Zukunft unserer Stadt. Ganz nebenbei eignest du dir grundlegende Fähigkeiten der denkmalgerechten Sanierung an, erhältst die Möglichkeit, auch in Zukunft Fenster in Eigenregie zu sanieren und kannst dich gleichzeitig auf deinen fertiggestellten Werken verewigen. Denkmal drüber nach!

Wann und Wo? (AKTUALISIERTE TERMINE)

In Utopiastadt (Mirkerstraße 48 | 42105) am:
Samstag, 12. Februar 2022 | 12 – 15 Uhr | Säubern und Schleifen
Samstag, 12. März 2022 | 12 – 15 Uhr | Säubern und Schleifen
Samstag, 16. April 2022 | 12 – 15 Uhr | Spachteln
Samstag, 07. Mai 2022 | 12 – 15 Uhr | Spachteln
Samstag, 28. Mai 2022 | 12 – 15 Uhr | Lackieren
Samstag, 11. Juni 2022 | 12 – 15 Uhr | Lackieren

Du hast Bock? Dann melde dich unter folgender Email an: fenstersanierung@utopiastadt.eu

Und was ist mit Corona?

Im Rahmen der Workshops gilt 2G+ und eine medizinische Maskenpflicht. Das heißt konkret du musst vorweisen können, dass du doppelt geimpft bist und ein tagesaktuelles Schnelltestergebnis mitbringen. Testmöglichkeiten gibt es bei uns vor der Tür. Die Booster-Impfung ersetzt den tagesaktuellen Test nicht!

Foto: Wolf Sondermann
Design: Lea Schöning

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Logbuch

Urlaub auf dem Bahnhofsklo

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von Nina Bramkamp:

Logbucheintrag 0.29

Als Utopist*in denkt man möglicherweise, dass es nur einen Bahnhof geben kann. In Belgien wurde ich von diesem tiefen Glauben bekehrt, als ich Urlaub in wallonischen Bahnhofstoiletten machte. Nach der Stilllegung des Bahnhofs im Jahr 1989 wurde das Hauptgebäude in Wohnraum umgewandelt. Aus dem Toilettenhäuschen entstand Dank der phantasievollen Sanierung ein wundervolles Cottage.

Der Bahnhof dieses kleinen Ortes wurde 1863 erbaut und war ein florierender Ort des Reisens und Tor zur großen weiten Welt (in diesem Falle ohne Umsteigen bis nach Namur). Toiletten waren dabei schon immer ein besonderer Ort für Begegnungen.

Am Montag, den 12. Mai 1884 stand Léo auf Gleis 3 des wallonischen Bahnhofs und wartete auf die Ankunft des 12 Uhr Zuges nach Namur. Sein Magen knurrte. Dass die Bäckereien montags geschlossen haben, wurde ihm erst nach dem Aufstehen wieder bewusst. Er schaute sich hungrig auf dem Bahnhof um. Ein dreibeiniger Hund streunte zwischen den Gleisen umher, auf Gleis 1 erblickte er eine Frau mit einem Korb Hühner. Ein paar Orte weiter war Wochenmarkt, auf dem die Wallikiki als Suppenhühner verkauft werden sollten. Während des Wartens ereilte die Dame die Notdurft und sie ging eilend zu den Bahnhofstoiletten. Die Kabinen waren zu klein, so dass sie die Wallikiki unter dem Waschbecken stehen lassen musste. Léo begab sich ebenfalls zu den Toiletten, verpasste aber den Eingang für Messieurs und fand sich im WC Dames wieder. Die Hühner sahen ihn und entrüsteten sich lautstark, während sie erschrocken aus ihrem Korb sprangen. Léo vermutete unten im Korb Eier. Er griff zu einem Bündel im Korb und rannte aus der Toilette. Die walllonischen Hühner nahmen die Verfolgung auf. Madame kam nicht von der Stelle und musste die Flucht wild schimpfend hinnehmen. Alarmiert von dem Geschrei hüpfte der auf der Bahnhofsdeponie wohnende dreibeinige Hund aus seinem Salatbett und rannte kläffend in Richtung des Lärms. Er sah einen rennenden Mann, der gehetzt die Worte »oh je ne regrette rien« sang, gefolgt von wütend gackernden Walliki, die das Gleis 1 entlang jagten. Der Trieb des Tieres sprang an, allein schon wegen der appetitlichen Hühner. Er nahm bellend die Jagd auf und konnte schnell aufholen, während der Zug nach Namur auf Gleis 3 eindampfte und sich bereits an die Weiterfahrt machte. Der Mann, die Hühner, der Hund und das Geschrei von Madame flogen im gestreckten Galopp über das Gleisbett und sprangen in den Waggon. Während der Zug sich in Gang setzte, hatten sie das erste Mal die Gelegenheit, sich zu beschnuppern. Nicht nur Léo hatte Hunger und Essen vereint Mensch und Tier. So öffnete er den Proviantbeutel aus dem Hühnerkorb, der deponische Hund konnte ein paar Salatblätter und ein viertel Croissant, welches er noch in seinem Fell trug, beisteuern. Die Hühner legten zum Auftakt der Freundschaft jede ein Ei. 

Solche und andere utopische Geschichten werden sich auch am Mirker Bahnhof ereignet haben. Utopia is halt everywhere.


Erstveröffentlicht am 19.05.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/suche/logbuch+utopiastadt

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Neuigkeiten

Utopiastadt Testzentrum wieder geöffnet

Nach einer kurzen Umbaupause ist das Utopiastadt Testzentrum wieder geöffnet. Termine könnt ihr wie immer unter testzentrum.utopiastadt.eu buchen.

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BLAUPAUSEN Ausstellung – Visionen für die Speditionshalle

Utopiastadt ist ein Möglichkeitsraum für Visionen – für kreative Geister, Macher:innen und Zukunftspioniere. Und eines haben sie alle gemeinsam: Sie brauchen Raum, um ihre Ideen für die Welt von morgen in die Tat umzusetzen!

Im Rahmen des BLAUPAUSEN Ideenwettbewerbs machten sich deshalb im vergangenen Jahr 26 Teams aus ganz Deutschland an die Aufgabe, Konzepte für die Umnutzung der Speditionshalle auf dem Utopiastadt Campus zu entwickeln. Darüber hinaus trudelten im blauen Ideenbriefkasten zahlreiche Postkarten mit über 150 Ideen von Menschen aus dem Quartier ein.

Wie kann gemeinsames Lernen und Arbeiten, das Teilen von Ressourcen und urbanes Produzieren am Utopiastadt-Campus in Zukunft wachsen und gedeihen?

Die vielfältigen Visionen für die Zukunft der Speditionshalle möchten wir Euch nun präsentieren. Von Mai bis Juli können die Wettbewerbseinreichungen und das große Zukunftsbild entlang der Nordbahntrasse am Mirker Bahnhof bestaunt werden.

Kommt vorbei und lasst Euch inspirieren!

Wir laden herzlichst ein zur Ausstellungseröffnung am 25.05.2022. Es gibt Freigetränke, Musik und hoffentlich viele Gespräche und neue Verknüpfungen.

Ausstellungszeitraum:
25.05.22 – 20.07.22
Eröffnung: 25.05.22 um 18 Uhr
Utopiastadt (Außenbereich an der Nordbahntrasse)

Weitere Infos:
Infos zum BLAUPAUSEN Ideenwettbewerb

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Neuigkeiten

Tag der Städtebauförderung am Samstag, 14.5.

Baue eine Stadt, baue Utopiastadt. Dies stand viele Jahre unter fast allen Nachrichten, die wir verschickt haben. Und es hat bis heute seine Gültigkeit. Da passt es, dass am Samstag, den 14.5., am Tag der Städtebauförderung, die sanierte Vorplatz-Treppe, also der prominenteste Zugang zum Utopiastadt-Campus, offiziell eingeweiht wird. Das Programm dazu listen wir Euch unten auf.

Denn neben den Festivitäten zu der Eröffnung gibt es selbstverständlich ab 11:00 Uhr den Regelmäßigen Sanierungs-Workout am Hauptgebäude und in der GPA!
Infos: utopiastadt.eu/workout
Doku (insbesondere GPA): bahnhofssanierung.de

Nebenan in der Hebebüne ist zudem um 14 Uhr die Eröffnung der Ausstellung »Druckgrafik«, die man diesen Samstag einfach ansehen und bewundern kann, im Rahmen derer aber am nächsten Samstag auch selber in die Kunst der Druckgrafik einweihen lassen kann!
Infos: hebebuehne-ev.de

Ebenso gibt es eine Pflanzaktion für den Gedenkort der Seebrücke Wuppertal, der auf der frisch sanierten Fläche an der Vorplatz-Treppe entsteht.
Infos zum Gedenkort: seebrueckewtal.de/gedenkort

Diese Aktion ist aber auch Teil des offiziellen Programms und somit eine gute Überleitung zu den oben versprochenen Details zum

Programm zum Tag der Städtebauförderung:

10 bis 13 Uhr:  Brunch, Graffiti-Workshop mit der Künstlerin Laura Ludwig, Supa-Golf, Pflanz-Aktion

11 Uhr: Start drei Führungen:
– Mirker Quartier
– Utopiastadt-Baustelle Sanierung Bahnhofsgebäude
– Solar Decathlon

13 bis 13:30 Uhr: Einweihung und Begrüßung durch Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Beigeordneten Arno Minas mit Auftritt von Kindern und Jugendlichen der »Alten Feuerwache«

13:30 Uhr: Start drei Führungen:
– Mirker Quartier
– Utopiastadt-Baustelle Sanierung Bahnhofsgebäude
– Solar Decathlon

13.30 Uhr bis 16.30 Uhr: Steinmetz-Aktion an dauerhaft auf dem Vorplatz etablierten Stein-Bänken unter Anleitung des Steinbildhauermeister Gregor Rasch, Graffiti-Workshop, Supa-Golf, Mal-Aktion, Pflanz-Aktion

15 Uhr: Start drei Führungen:
– Mirker Quartier
– Utopiastadt-Baustelle Sanierung Bahnhofsgebäude
– Solar Decathlon

Wir freuen uns auf einen wunderbaren Frühlingstag auf dem Utopiastadt-Campus!

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Neuigkeiten

FENSTERSANIERUNGSWORKSHOP | MAI | EINE RIESEN AUFGABE!

Eine riesen Aufgabe bedarf vieler kleiner Taten!
Und so haben wir am vergangenen Samstag unseren kleinen Teil zur Sanierung der historischen Fenster beigetragen. Gemeinsam arbeiteten wir an den Blendrahmen der nördlichen Fassade und füllten somit die Löcher, die sich im Laufe des letzten Jahrhunderts in die Fensterrahmen fraßen. Den Nachmittag haben wir, trotz spontanem Regenschauer, mit leckerem Essen vom Grill ausklingen lassen. Ein großer Dank geht raus an all die ehrenamtlichen Helfer*innen die sich im Rahmen des Workshops verausgabten und somit einen Teil zur Sanierung der historischen Fenster beigetragen haben!

Vielen Dank an: Janine, Judith, Ida, Clara, Marley, Barbara, Alex, Gregor und Tom!

Weiter geht es dann am Samstag, den 28. Mai 2022 ab 12 Uhr. Anmeldung via Mail an: fenstersanierung@utopiastadt.eu. Weitere Infos gibt es hier!

Foto: Mosche

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Logbuch

Lebhafter Frühling in der Mirker Straße

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von David J. Becher:

Logbucheintrag 0.28

Als ich vor fast 16 Jahren in die Mirker Straße gezogen bin, blickte ich von meinem Arbeitszimmer auf eine Tankstellenbrache, eine Bahnhofsbrache, dahinter verrotteten ein paar Gleise vor einer mindergenutzten Gewerbefläche. Abgerundet wurde diese manifestierte städtebauliche Ignoranz von der Autobahn. Dead end eines Wohngebietes.

Am 1. Mai 2022 schaue ich aus dem Fenster auf eine durch bunte Plastiktüten künstlerisch verhüllte Hebebühne, auf deren Nebenplatz die Mirker Schrauba ihr 9-Jähriges mit einem Jubiläums-Fahrradreparaturcafé feiern. Daneben erblüht ein frühlingshergerichteter Utopiastadtgarten, dann schweift mein Blick über die Bahnhofs- sowie die Vorplatz-Baustelle.Nächstes Wochenende gibt es hier einen Workshop zur fachgerechten Sanierung alter Holzfenster in Utopiastadt (Sa. 7.5., 12-15 Uhr, Anmeldung: fenstersanierung@utopiastadt.eu). Am Wochenende darauf den Tag der Städtebauförderung, bei dem der Vorplatz offiziell eingeweiht wird. Mit Baustellenführungen, Pflanzaktion für das Seebrücke-Denkmal, Graffiti, Supagolf und vielem mehr (Sa. 14.5., 10-16 Uhr).Wieder einen Samstag später wird dann offiziell das Denkmal eingeweiht, das die Seebrücke Wuppertal als Gedenkort für ertrunkene Geflüchtete auf dem Bahnhofsvorplatz installiert hat (Sa. 21.5.).In der Zwischenzeit werden die Teams anreisen, die im Juni beim Solar Decathlon Europe auf dem Utopiastadt-Campus im Zehnkampf des nachhaltigen Bauens gegeneinander antreten, und beginnen, ihre Gebäude aufzustellen.

Niemals hätte ich beim Einzug gedacht, hier mal mitten im Zentrum der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung zu leben. Und das Besondere: Es waren weder Stadtverwaltung noch Politik, es waren keine Stiftungen oder Institutionen, es waren keine Firmen oder Investor:innen, die diese Entwicklung initiiert haben. Es waren frei zusammengewürfelte kreative Menschen, die ihre Entwicklungsimpulse nicht immer nur in hübschen Zwischennutzungs-Projekten verbrennen, sondern dauerhaft zur Verbesserung des Miteinanders in der Stadt einsetzen wollten. Und viele davon sind mehr oder weniger direkte Nachbar:innen, so wie ich.

All diese Menschen haben im Laufe vieler Jahre gezeigt, dass stetes Bemühen um Teilhabe, auch an den großen Stadtentwicklungen, am besten Wirkung zeigt, wenn man immer und immer wieder zusammenarbeitet. Auch, wenn es oft sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt, was wann wie mit wem umgesetzt werden sollte.

Genau diese Auseinandersetzungen sind es, die verdeutlichen, dass Stadt nicht dann besonders gut ist, wenn nur eine Verwaltung oder ein Investor definieren, wie ein Ort zu sein hat. Sondern wenn die, die an diesem Ort leben, die, die ihn nutzen und die, die davon profitieren stets aufs Neue besprechen, wie es weiter gehen soll. Dann blüht in jedem Frühjahr erneut auf, was über die Jahre gesät, gehegt und gepflegt wird. Und je öfter ich das hier vor meiner Tür miterlebe, desto überzeugter bin ich: Gute Stadtentwicklung lebt nicht von schnellen Ergebnissen. Sie lebt vom Prozess.


Erstveröffentlicht am 05.05.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/wuppertal-logbucheintrag-aus-der-utopiastadt_aid-69087707

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Utopiastadt Testzentrum macht eine kurze Umbaupause

Wegen Umbau nach dem 01.05 vorübergehend geschlossen.

Aufgrund von Umbauarbeiten ist der Testbetrieb vorübergehend eingestellt. Wir bemühen uns schnellstmöglich wieder ein Testangebot zur Verfügung zustellen. In der Zwischenzeit finden sie alternative Teststellen unter testbuchen.de.

Bitte entschuldigen Sie die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten. Wir hoffen sie bald wieder bei uns im Testzentrum begrüßen zu dürfen.

Mit besten Grüßen

ihr Testzentrumsteam aus Utopiastadt

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Neuigkeiten

Fenstersanierungsworkshop: EINE RIESEN AUFGABE! | 07. Mai 2022

Die ehrenamtliche Sanierung der historischen Fenster ist im wahrsten Sinne des Wortes eine riesen Aufgabe. Seit geraumer Zeit nutzen zahlreiche Ehrenamtler*innen und Utopist*innen ihre Wochenenden, um gemeinnützigen Zwecken nachzugehen und so einen kleinen Teil dazu beizutragen, dem historischen Bahnhofsgebäude seinen alten Glanz wieder zu verleihen. Summa summarum erledigen wir so Stück für Stück eine Riesenaufgabe! Nachdem wir in den letzten Workshops bereits nachdachten, blank zogen und uns den Magen vollspachtelten, ist es jetzt an der Zeit, die aufgedeckten Lücken der historischen Fenster zu schließen. Im kommenden Workshop werden wir dich erneut an das denkmalgerechte Spachteln und Kitten der historischen Holzfenster heranführen. Dabei ist es egal, ob du professionelle Kenntnis mitbringst oder noch Lai*in bist. Gemeinsam werden wir riesig und machen das Unmögliche möglich!

Du fragst dich, warum du mitmachen solltest?
Gemeinsam erschaffen wir in lehrreicher und geselliger Atmosphäre einen Ort für die Entwicklung von Utopien. In einem Jahr können wir dann stolz vor einen der wohl schönsten historischen, vor allem aber fertig sanierten Bahnhofsgebäude des Tals stehen. Das ist nicht nur gut fürs Ego, sondern auch für die Zukunft unserer Stadt. Ganz nebenbei eignest du dir grundlegende Fähigkeiten der denkmalgerechten Sanierung an, erhältst die Möglichkeit, auch in Zukunft Fenster in Eigenregie zu sanieren und kannst dich gleichzeitig auf deinen fertiggestellten Werken verewigen. Jetzt gehen wir aber erstmal der riesen Aufgabe nach!

Wann und Wo?
In Utopiastadt (Mirkerstraße 48 | 42105) am:
Samstag, 07. Mai 2022 | 12 – 15 Uhr | Spachteln
Weitere Termine kannst du hier einsehen.

Du hast Bock? Dann melde dich unter folgender Email an: fenstersanierung@utopiastadt.eu

Und was ist mit Corona?
Auch wenn die staatlichen Verordnungen in den letzten Wochen massiv gelockert wurden, gilt im Rahmen der Workshops 2G+ und eine medizinische Maskenpflicht. Das heißt konkret du musst vorweisen können, dass du doppelt geimpft bist und ein tagesaktuelles Schnelltestergebnis mitbringen. Testmöglichkeiten gibt es bei uns vor der Tür. Die Booster-Impfung ersetzt den tagesaktuellen Test nicht!

Foto: Wolf Sondermann
Design: Lea Schöning

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FENSTERSANIERUNGSWORKSHOP | April | JETZT WIRD GESPACHTELT!

Und es wurde gespachtelt was das Zeug hält!
Bei feinstem Wetter haben wir gemeinsam die Lücken zahlreicher Fenster und Stülpschalungen schließen können. Während auf dem Bahnsteig noch einige weitere Fenster von ihrem Lack befreit wurden, wurde auf dem neuen Sonnendeck in Richtung Quartier bereits gespachtelt. Den Abend ließen wir erneut bei leckerem veganen Essen (Danke Lars!) und zahlreichen Getränken ausklingen! Hiermit möchten wir noch einmal allen ehrenamtlichen Kräften danken, die Teil des Workshops waren und ihre freie Zeit für die Fenstersanierung gaben.

Vielen Dank an: Lars, Emilia, Alex, Ingeborg, Barbara, David, Chris, Julia, Käthe, Tobi, Lia und Simona!

Weiter geht es dann am Samstag, den 07. Mai 2022. Anmeldung via Mail an: fenstersanierung@utopiastadt.eu. Weitere Infos gibt es hier!

Foto: Lars Kujat & Mosche

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Logbuch

Landschaftsgestaltung unter Pandemiebedingungen

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« alle 14 Tage eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Die heutige Kolumne ist von Richard Joos:

Logbucheintrag 0.27

Über zwei Coronasommer grub ich mit einigen wackeren Mitstreitenden die Grünstreifen an der Auffahrt zur Nordbahntrasse am Mirker Bahnhof um. Statt Brombeerdschungel eine kleine Streuobstwiese, Bienenweide und Miniaturweinberg scheint per se eine gute Sache. Tatsächlich rettete es mich über die härteren Pandemiephasen, nach dem Homeoffice-Tag noch ein, zwei Stunden die Möglichkeit zu haben, an der frischen Luft ein Stück Stadt vor meiner Nase zu einem angenehmeren Ort zu machen.

Man erfuhr einiges: Gespräche mit Anwohnern entspannen sich über eine ausgegrabene und in der Folge weggestemmten Betonplatte. Gab es Flakstellungen um den Mirker Bahnhof während des Kriegs? (Es war wohl doch nur ein Bauschuppen mit schnell hingegossenem Fundament aus den Sechzigern.) Man wurde interessant wahrgenommen: warum ich hier Erde siebe, wenngleich auf der Fläche hinten Müll liege? Nun, weil ich in meiner Freizeit gern Dinge tue, auf die ich Lust habe, und gerade hab ich Lust aufs Erdesieben. Ich freue mich aber über jeden, der den Müll einsammelt, Samstag ist Workout. Erstaunlich oft wird von vorneherein ausgeschlossen, dass Menschen was einfach so machen, und nicht, weil es bezahlt wird.

Man bewirkte auch interessantes. Wenn man zwei Wochen jeden Abend schaufelt, trifft man Menschen wieder. Es ergaben sich erstaunliche Stimmungswechsel über die kurzen Gespräche: schleichende Übergänge vom skeptischen »Wer sich engagiert, wird ausgenutzt«, in der Regel begleitet von Geschichten über eigene schlechte Erfahrungen, hin zum gemeinsamen Freuen über den Fortschritt nach einer Woche. Kinder hingegen sind in der Regel interessiert bis begeistert, insbesondere, wenn man ein Nest Engerlinge oder spannenden Schrott ausgräbt.

Persönliche Folgen, neben besserem Schlaf und Bekämpfung der Corona-Bleischwere? Es ist unglaublich, wie man sich über Menschen freuen kann, die auf einer Trockenmauer sitzen und Eis essen, wenn man die Trockenmauer in der vorigen Woche fertig gebaut hat. Die erfreulichste Beschwerde der Welt: jemand habe die schönste Blumenwiese in Wuppertal abgemäht, ein Unding! (Es war nach dem letzten Blühen und schwer notwendig). Die zweite Apfelernte komplett geklaut: alles richtig gemacht.

Nun könnte man einmal mehr Worte darüber verlieren, wie wichtig Engagment und Ehrenamt in den Quartieren sei und sich selbstzufrieden auf die Schulter klopfen. Anders herum scheint es aber richtiger aufgezäumt: es ist eine unglaublich gute Sache, Menschen die Möglichkeit zu geben, ein Quartier mitzugestalten, schöner und lebenswerter zu machen. Ich hatte das Glück, eine solche Möglichkeit direkt vor der Nase zu haben. Denn letzten Endes spielt bei allem Engagement eine große Portion Egoismus eine maßgebliche Rolle: Ohne zwei Sommer Umgraben und Trockenmauern hätte ich mit einiger Sicherheit einen sehr handfesten Coronakoller bekommen. Mit solchen Orten vor der Nase kann man sogar aus einer Pandemie was schönes machen.


Erstveröffentlicht am 21.04.2022 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/stadtteile/elberfeld/landschaftsgestaltung-unter-pandemiebedingungen_aid-68264107